Kleine Rohstoffkunde: Tierische Fasern
Alpaka
Tierische Fasern bestehen aus Eiweißfasern. Sie sind den Grundstoffen der menschlichen Haut in Substanz und Eigenart sehr ähnlich.
Alpaka ist die seidig weiche Flaumwolle der Alpakas, die volkstümlich auch Lamas genannt werden. Die kleinen horn- und höckerlosen Schafkamele leben auf dem Hochland Südamerikas. Sie werden alle zwei Jahre geschoren, ihre Wolle ist federleicht und hat einen sanften Glanz. Da sie noch heute vielfach in Hand arbeit verarbeitet wird, bleibt ihr hoher Fettgehalt erhalten. Dies macht die Wolle besonders wertvoll. Sie wärmt gut und ist schmutzabweisend. Alpaka gibt es in über 20 Natur-Farbtönen.
Angora
Angora ist die kuschelige Wolle des Angorakaninchens. Die Angorawolle wird durch Auskämmen und gelegentliches Scheren gewonnen. Die Haare sind weich, seidig glänzend, sehr fein und unglaublich leicht. Angora ist die leichteste Naturfaser überhaupt.
Schafwolle
Schafwolle zählt zu den ältesten Spinnmaterialien der Welt und Wollfilz ist die älteste Stoffart überhaupt. Die Oberfläche der Wollfaser wird von dachziegelartigen Schuppen gebildet, die von einem hauchdünnen Häutchen überzogen sind. Dieses Häutchen macht die Wolle zu einer der glattesten Spinnfasern. Das Innere des Haares besteht aus zwei verschiedenen Arten von Zellen. Diese leicht verzwirnten Hälften verhalten sich Feuchtigkeit gegenüber unterschiedlich, denn die eine Zellart quillt stärker als die andere und da beide fest miteinander verbunden sind, sind sie ständig in Be wegung. Diese Besonderheit verleiht der Wolle zum einen ihre Elastizität, zum anderen einen natürlichen Selbstreinigungs effekt. Die feinen Schüppchen an der Faseroberfläche massieren sanft die Haut und regen die Durchblutung an. Wolle ist temperaturausgleichend und besonders atmungsaktiv. Sie kann mehr als ein Drittel ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich naß anzufühlen und kühlt auch im feuchten Zustand nicht aus.
Besondere Schafwool-Sorten:
Lammwolle: Sehr feine und weiche Schurwolle- die Erstschur von Lämmchen unter einem halben Jahr.
Geelong-Lammwolle: Wolle von Lämmern aus der Gegend von Geelong/Südaustralien, deren besonders weicher Griff sich erst nach 3 bis 4 Wäschen entwickelt.
Schurwolle: Schurwolle sind Wollhaare, die ausschließlich vom lebenden Schaf geschoren und verarbeitet werden.
Merinowolle: Die Wolle des Merinoschafes ist die Feinste. Bis ins Mittelalter war die Merinoschafzucht den vornehmsten Höfen Europas vorbehalten. Ihre Wolle durfte nur zu königlichen Tuchen verarbeitet werden. In Spanien stand die Ausfuhr von Merinos sogar unter Todesstrafe. Nur die Herrscher selbst schenkten zu besonderen Anlässen einem anderen Landesfürsten eines ihrer wertvollsten Tiere. Im 18. Jahrhundert gelang es jedoch einem mutigen Seefahrer, die ersten Schafe von England nach Australien zu schmuggeln. Das dortige Steppenklima und die endlosen Weideflächen sind die idealen Voraussetzungen für die empfindlichen Tiere.
Seide
Seide ist der kostbarste Naturfaden. Sie ist eine tierische Faser. Seide wird aus den Kokons der Maulbeer-bzw. Tussahspinner (beides Falter) gewonnen. Die Raupe des Maulbeerspinners ernährt sich zum Beispiel ausschließlich von Blättern des Maulbeerbaumes. Sie verpuppen sich nach etwa 40 Tagen und innerhalb von 36 Stunden. Ihre feste Hülle besteht aus gut 3000 Metern feinstem Faden. Dank ihrer sehr feinen und glatten Faserstruktur, fällt Seide weich und kratzt nicht. Da sie der Haut im Aufbau ähnlich ist, kann sie problemlos auch von Allergikern getragen werden. Die Seide ist temperaturausgleichend und kann bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen.
Cashmere
Cashmere ist die weiche, seidig glänzende und luftig leichte Wolle der Cashmere-Ziege. Die Cashmere-Ziegen werden in kleinen Herden in Zentralasien gehalten. Die Wolle wird nur einmal im Frühling, wenn das Winterfell abgestoßen wird, durch Auskämmen mit groben Kämmen oder durch Sammeln gewonnen. Für die Produktion eines Pullovers benötigt man die Jahresproduktion von ca. 4-6 Ziegen. Cashmere hat einzigartige Trageeigenschaften und eine unvergleichliche Eleganz.
Bourretteseide
Die kürzeren und wirren Faserteile der Maulbeerseide aus dem äußeren und innersten Bereich des Kokons werden zusammen mit Seidenfaserabfällen zu Bourretteseide verarbeitet. Das matte Garn hat eine etwas unregelmäßige, leicht noppige Struktur und ist wesentlich fülliger als glatte Seiden. Durch den noch hohen Anteil des Seidenleimes hat die Bourretteseide eine natürliche Heilwirkung, wirkt entzündungshemmend und beruhigt die Haut

