Leinen (Flachs)

Leinen ist die älteste Pflanzenfaser und nach der Baumwolle immer noch der zweitwichtigste Textilrohstoff pflanzlicher Herkunft. In nur 100 Tagen wächst und reift der Flachs vom winzigen Samenkorn zur 100 cm großen Pflanze, deren Stängelfasern bereits die Vorzüge des klassischen Leinengewebes aufweisen: überaus fest und widerstandsfähig. Leinen ist feuchtigkeitsregulierend, strapazierfähig und als einzige Faser von Natur aus antistatisch. Da Flachs so robust ist, dass er nicht mit Pestiziden behandelt werden muss, ist das Leinen in der Regel nicht belastet. Garnfeinheiten, wie sie üblicherweise vor allem für Bekleidungstextilien gebraucht werden, lassen sich jedoch nur aus den hochgezüchteten weißblühenden Sorten gewinnen. Diese Flachspflanze wächst mit langen, wenig verzweigten Stängeln und trägt nur kleine Samenkörner. Die übrigen Sorten mit kürzeren Stängeln und größeren Samen dienen nicht nur der Faser-, sondern auch der Ölgewinnung.

Gewinnung der Faser

Die Faser wird aus dem Stängel der Pflanze gewonnen und ist somit eine Bastfaser. Bei der Ernte wird der Flachs nicht gemäht, sondern mit den Wurzeln ausgerauft. Im Gegensatz zur Baumwolle, bei der die Faser offen zutage liegt und nur der Kapsel entnommen zu werden braucht, müssen die Bastfasern aus dem Innern der Stängel herausgelöst und von den Bast umgebenden Stängelteilen getrennt werden.

Die Röste ist ein biologischer Vorgang, der durch kleine Lebewesen (Pilze, Bakterien) bewirkt wird. Man versucht, mit Hilfe von Wasser und Wärme eine Gärung im Splint herbeizuführen, die aber so gesteuert werden muss, dass die Faser selbst darunter nicht leidet. Durch das Brechen wird der Stängel vielfach geknickt und der Holzkern in viele kleine Stücke zerkleinert. Vor dem Brechen muss der geröstete Flachs im Freien oder in geheizten Trockenmaschinen getrocknet werden. Um das Holzteilchen möglichst vollkommen auszuscheiden, folgt das Schwingen. Neben der Aussonderung der Schäben hat das Schwingen die Aufgabe, den Bast im groben der Länge nach zu spalten und kurze, verwirrte Bast- und Faserbündel zu entfernen.

Der Schwingflachs ist handelsfertig und wird anschließend in der Spinnerei durch Hecheln und Sortieren verfeinert und spinnfähig gemacht.

Eigenschaften von Leinen 

  1. Hohe Festigkeit in nassem und trockenem Zustand.
  2. Gut teilbar und gut verspinnbar - im Gegensatz zu den anderen Bastfasern ist Flachs sehr fein teilbar und zu hochfeinen Garnen ausspinnbar. Flachs ist erheblich geschmeidiger und weicher als Hanf.
  3. Unempfindlich gegen Laugen.
  4. Geringe Anschmutz-Anfälligkeit - Produkte aus Leinen nehmen nur wenig Schmutz auf. Die bakterienhemmende Oberfläche des Leinens gilt als vorteilhaft bei Ärztekittel und Taschentücher.
  5. Kühler Griff und seidenartiger Glanz werden besonders bei Bett- und Tischwäsche, aber auch bei sommerlicher Oberbekleidung geschätzt.
  6. Geringe Elastizität - Leinen ist steifer und weniger elastisch und damit sehr anfällig für Knittern.