Naturseide

Die Seide gewann bereits in frühgeschichtlicher Zeit hohes Ansehen durch das edle Aussehen der Stoffe. Sie war die einzige endlose Textilfaser vor Erfindung der Chemiefasern und ist der kostbarste Naturfaden.

Seide wird aus den Kokons der Maulbeer-bzw. Tussahspinner (beides Falter) gewonnen und daher muss bei der klassischen Gewinnung der Naturseide aus Asien Rücksicht auf die Lebensbedingungen des Maulbeerbaumes, dessen Blätter das alleinige Futter für die Seidenraupen abgeben, sowie auf die Lebensbedingungen der Raupen genommen werden. 

Der Schmetterling ist nicht in der Lage Nahrung aufzunehmen und hat einzig und allein die Aufgabe, 300 bis 500 Eier zu legen. Die aus den Eiern geschlüpften Raupen werden in geheizten Räumen oder Brutapparaten sorgfältig herangezüchtet, zeichnen sich durch einen enormen Appetit aus und wachsen innerhalb von 35 Tagen auf 9 cm Länge. Die Raupen verpuppen sich nach etwa 40 Tagen und innerhalb von 36 Stunden und ihre feste Hülle besteht aus gut 3000 Metern feinstem Faden.

Die Raupe wendet das Trockenspinnverfahren an:

Die aus den beiden Drüsen am Kopf des Tieres gedrückte Spinnlösung erstarrt an der Luft zu einem festen Faden und spinnt sich durch achterförmige Kopfbewegungen selbst in eine schützende Hülle, den Kokon, ein.

Die Kokons legt man in warmes Wasser, wo sie mit Bürsten bearbeitet werden, bis sich die Klebesubstanzen der äußeren Schicht lösen. Zur Gewinnung von einem Kilo Rohseide benötigt man etwa 10-11kg Kokons.

Dank ihrer sehr feinen und glatten Faserstruktur, fällt Seide weich und kratzt nicht. Da sie der Haut im Aufbau ähnlich ist, kann sie problemlos auch von Allergikern getragen werden. Die Seide ist temperaturausgleichend und kann bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen.

Haspelseide, wie der edelste Seidenfaden genannt wird, besteht aus mehreren Kokon-Doppelfäden, die durch die nachfolgenden Zwirnungsvorgänge gereinigt und leicht miteinander verdreht werden.

Die Wildseide wird im Gegensatz zu Maulbeerseide von einem Nachtschmetterling gewonnen, dessen Raupen nicht gezüchtet werden. Die bekannteste und beliebteste Wildseide ist die Tussahseide. Oft werden Tussahseiden im Naturton verarbeitet und der Stoff dann als Rohseide bezeichnet. Hingegen sind die Wildseiden gegen Laugen und Säuren weit weniger empfindlich als die Maulbeerseide, deshalb recht dauerhaft und gut zu waschen. Ihr Preis liegt in der Regel erheblich unter dem Preis der Maulbeerseide.

Bouretteseide: Die Kurzfasern, die beim Kämmen in der Spinnerei abgefallen sind, sowie alle andere Seidenabfälle sind immer noch ein wertvoller Rohstoff, den man einem Grobspinnverfahren zuführt. Dieser Abfall und auch grobe Wildseide wird zu mittelfeinem und grobem Bourettegarn ausgesponnen, welches meist etwas unregelmäßig und noppig ausfällt. Stoffe aus Bouretteseide sind zwar nicht sehr fein und als Seidengewebe recht schwer, jedoch preislich sehr günstig und oft von hervorragender Qualität. Durch den noch hohen Anteil des Seidenleimes hat die Bourretteseide eine natürliche Heilwirkung, wirkt entzündungshemmend und beruhigt die Haut.

Eigenschaften der Naturseide

  1. Edler Glanz
  2. Feinheit und leichter Gewicht
  3. Geschmeidigkeit und knitterarm
  4. Hohe Elastizität und Festigkeit
  5. Isolationsfähigkeit
  6. Empfindlichkeit gegen Schweiß, Licht und hohe Temperaturen
  7. Empfindlichkeit gegen Säuren und Laugen
  8. Gute hygienische Eigenschaften